6. Januar 2008

Xing lenkt für zahlende Kunden ein

Heute Nachmittag veröffentlichte Xing für sogenannte Premium-Mitglieder (zahlende Mitglieder) die Information, daß ab sofort auf Profilen (persönliche Visitenkarten) der Premium-Mitglieder keine Werbung mehr gezeigt wird. Danken muß man dieses Ergebnis allen Mitgliedern, die sich vehement gegen die Einblendung von Werbung auf den Profilen aussprachen. Fraglich ist, wie in Zukunft die Profildaten von normalen Mitgliedern aussehen werden. Xing scheint dort nicht vom einmal eingenommen Kurs abweichen zu wollen. Wohl bemerkt, es geht ausschließlich um die Profilseite der Mitglieder, auf der neben dem Photo auch die Firma und soweit eingetragen, persönliche Eckdaten des Mitglieds vermerkt sind. Bisher haben sich extrem wenige Mitglieder generell gegen Werbung ausgesprochen und es ist anscheinend allgemein akzeptiert, daß normale Mitglieder Werbung sehen sollen um so dem Unternehmen XING AG Werbeeinnahmen zu sichern.

Die XING AG gibt im Quartalsbericht 3/07 an, daß 4,25 Mio. Menschen weltweit im Netzwerk angemeldet sind, davon haben laut Bericht 350.000 eine Premium-Mitgliedschaft abgeschlossen. Durchaus beachtliche Zahlen.
In Zukunft werden also ca. 3,9 Mio. Benutzer mit ihrem Portrait (Profil) für Dinge werben, die sie im normalen Leben vielleicht nicht befürworten könnten. Auch scheint es seitens Xing keine rechtlichen Bedenken bzgl. den eingeschränkten Werbebestimmungen für bestimmte Berufsgruppen zu geben.

Warum gelingt es der XING AG nicht, mehr Mitglieder für eine Premium-Mitgliedschaft gewinnen zu können? Wer sind diese „normalen Mitglieder“ und was treiben sie auf der Plattform? Offensichtlich gibt es da viele „Karteileichen“, die zwar mit dabei sind aber keinen aktiven Beitrag zum Netzwerk leisten. Diese werden mit Sicherheit auch nicht auf ein Werbebanner klicken. Ein weiterer, vielleicht aktiver Bruchteil, mag zwar einen Beitrag zur Community leisten, hat aber keinen Bedarf an den Funktionen, die eine Premium-Mitgliedschaft mit sich bringen (z.B. anderen Mitgliedern Mitteilungen senden (sic!)). Diese Mitglieder scheinen sich jetzt überhaupt nicht über das neue Feature „Werbung“ zu freuen. Ist es vielleicht ein schöner Nebeneffekt, genau diesen Mitgliedern nun die Pistole auf die Brust zu setzen und zu sagen: „Entweder zahlen oder Werbung auf deiner Profilseite“?

Allen nicht so aktiven Mitgliedern sei geraten, ihr Profil vielleicht noch einmal zu überarbeiten oder, sofern sie es nicht benötigen, zu löschen. Die Daten und die Bereitschaft in Xing gefunden zu werden sind für das Unternehmen Gold wert. Die Gegenleistung, nun Werbung ggf. mit ihrem Gesicht und ihren Daten für Produkte, die sie vielleicht aus unterschiedlichen Gründen ablehnen. Die XING AG scheint auch weiterhin nicht gewillt zu sein alle Mitglieder über diese einschneidenden Änderungen umfassend zu informieren.

Außenstehende lächeln oft über die Naivität der Xing-Mitglieder, doch Xing ist nicht ein beliebiges Netzwerk. Zwar sind auch dort nicht die Top-Entscheidungsträger zu finden, jedoch bietet es vielen kleineren Unternehmen und Selbständigen Möglichkeiten. Angestellte größerer Firmen sind oft als „normale Mitglieder“ dabei und stehen zur Kontaktaufnahme bereit. Ob das den Arbeitgebern immer gefällt steht sicher auf einem anderen Blatt. Jetzt, da noch Werbung direkt mit dem Profil und ggf. einem Unternehmensnamen verknüpft ist, wird die Akzeptanz sicher weiter sinken.

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